Aschenputtel im Rausch der Farben

Movie-Kritik: Cinderella
Bildquelle: 
Walt Disney Studios

Was soll ein Film beim Zuschauer bewirken? Soll er ihn mitreissen? Verängstigen? Zum Nachdenken anregen? Oder vielleicht in romantische Stimmung versetzen? Manchmal entführt der Film den Zuschauer in magische-fantastische Gefilde. Der Film «Cinderella», die neueste Produktion aus dem Hause Disney, tut genau das. Dabei verschmelzen Realität und Fantasie zu einem opulenten Gesamtkunstwerk.

 

Cinderella ist schlicht und ergreifend bezaubernd. Hauptdarstellerin Lily James («Downton Abbey») spielt mit kindlicher Unschuld und der Grazie einer Märchenprinzessin. Sie verkörpert Ella, die später von ihren Stiefschwestern Cinderella getauft wird, weil ihr Gesicht von Asche verschmiert ist (cinder bedeutet im Englischen Asche), von Kopf bis Fuss sehr überzeugend. Im Film wird klar, woher die Güte und Stärke Cinderellas rührt. Sie ist nicht einfach nur so, weil sie naiv ist und alles mit sich machen lässt. Mut besitzen und Güte haben sind die Weisheiten, die ihre Mutter ihr am Sterbebett mit auf den Weg gibt. Sie werden zu Charaktereigenschaften, die das Mädchen bis ins Erwachsenenalter verinnerlicht hat und selbst dann nicht verliert, als ihre Stieffamilie sie höhnisch behandelt.

 

 

Cinderella erstrahlt im Ballkleid.  

 

Im Vergleich zum Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1950 wird im Realfilm nur sehr wenig gesungen. Wer sich auf ein Musical freut, kann sich dieses schnell aus dem Kopf schlagen. Auch sind die Stiefschwestern weder hässlich, noch die Stiefmutter eine graue, alte Frau. Die Stiefschwestern Anastasia (Holliday Grainger, «Jane Eyre») und Drizella (Sophie McShera, «Downton Abbey») sind im Film äusserlich schön, haben aber wie im Trickfilm einen verdorbenen Charakter. Statt sie mit Hässlichkeit zu versehen, kleidete Kostümdesignerin Sandy Powell die beiden so, dass sie immer ein bisschen übers Ziel hinausschiessen und ein wenig lächerlich wirken. Powell, die schon drei Mal den Oscar für die besten Kostüme erhalten hat, unter anderen wurde sie für ihre Leistung in «Shakespeare in Love», «The Aviator» und «The young Victoria» ausgezeichnet, leistete auch bei «Cinderella» hervorragende Arbeit. Für die Kulissen und das Design der Produktion war der dreifache Oscar-Gewinner Dante Ferretti verantwortlich, der den Preis für das beste Szenenbild für die Filme «Sweeny Todd», «The Aviator» und «Hugo Cabret» erhielt.

 

Eine Fee mit Fehlern 

 

Regiesseur Kenneth Branagh («Thor») hat bei der Verwirklichung des Film auch schauspielertechnisch mit schwergewichtigen Namen aufgefahren. Cate Blanchett («Blue Jasmin») spielt die Stiefmutter, Stellan Skarsgård («Fluch der Karibik») verkörpert den Grossherzog und Helena Bonham Carter («Sweeney Todd») mimt die gute Fee. Cate Blanchett verkörpert durch und durch die schreckliche Stiefmutter. Ihr boshaftes Lachen, die eisblauen Augen und die Grellheit ihrer Kleider unterstreichen den schwarzen Charakter der Stiefmutter. Bonham Carter, die gerne mal schrille Rolle übernimmt, passt als gute Fee wie die Faust auf’s Auge. Denn sie ist eine etwas chaotische Fee, die unter Zeitdruck steht und der schon mal der eine oder andere Fehler passiert. In «Cinderella» bringt sie sich fast um, als sie den Kürbis in eine Kutsche verwandelt.

 

Produzent David Barron kennt sich mit Fantasy-Filmen aus und hat sein Können für dieses Genre auch bei «Cinderella» bewiesen. Barron wirkte als Produzent unter anderem bei «Harry Potter 5 - 8» mit. Für Lily James ist es die erste grosse Hauptrolle in einer internationalen Produktion. Bevor die Jungschauspielerin die Rolle der Cinderella bekam, waren noch andere Schauspielerinnen im Rennen. Topfavoritin war Emma Watson («Harry Potter»-Reihe), doch Watson lehnte ab. Wenn man den Film gesehen hat, kommt man sehr schnell zum Schluss, dass Lily James die richtige Wahl war, vor allem dann, wenn sie bei der Ballszene oben auf der Treppe erscheint. Das Adjektiv atemberaubend entfaltet hier seine volle Bedeutung. Es mag an den fähigen Händen der Maskenbildner liegen oder an der Detailliebe der Kostümbildner, eine schönere Cinderella scheint es nie gegeben zu haben. Die Haare und das Kleid erinnern an Romy Schneider in der Rolle der Sissi. Und das Funkeln in den Augen als sie mit dem Prinz tanzt, wirken alles andere als geschauspielert.

 

Opulent inszeniert: die Ballszene. 

 

Farben sind ein tragendes Element in «Cinderella». Sie erzählen einen Teil der Geschichte. So scheinen sich die Charakteren durch die Farbe ihrer Kleider von einander abzugrenzen oder ihre Zugehörigkeit zu signalisieren. So sind die Kleider von Cinderellas Mutter (Hayley Atwell, «The Duchess») farblich auf das Interieur des Hauses und die Landschaft abgestimmt, während sich die Kleiderfarbe und –design der Stiefmutter mit dem Interieur zu beissen scheinen. Das Gleiche passiert bei den Stiefschwestern. Diese sehen wie Paradiesvögel aus oder als ob sich in der Fasnachtsabteilung vergriffen hätten. Wunderbar lässt sich diese Farbzugehörigkeit zwischen Cinderella und dem Prinzen (Richard Madden, «Game of Thrones») feststellen. Das himmelblaue Ballkleid Cinderellas passt zu den blauen Akzenten im Jacket des Prinzen. Auch wirken seine Augen, als ob sie die gleiche Farbe hätten wie das Ballkleid. In der Tat wurden manche von Maddens Kostümen so eingefärbt, dass sie seine Augen noch mehr zur Geltung bringen.

 

Ebenfalls ein Highlight von Kostüm und Design sind die in Menschen verwandelten Tiere, die Cinderellas Kutschen-Gefolgschaft bilden. Sie behalten trotz ihrer menschlichen Gestalt ihre tierischen Züge. Die gute Fee verwandelt Eidechsen in Knechte, den Gänserich in den Kutscher. Dabei verändert sich zwar die Gestalt, aber nicht die Körperfarbe. Die Knechte behalten ihre spitzen Eidechsen-Gesichtszüge. Tracht, Dreispitz und Haut behalten den Grünton der Eidechsenhaut. Auch der Charakter der Tiere wird nicht menschlicher. «Ich bin ein Gänserich. Ich kann nicht fahren», protestiert der Gänserich, der zum Kutscher wird, als er sich vor dem Pferdegespann wiederfindet.

 

 

Die Glasschuhe wurden in achtfacher Ausführung angefertigt. 

 

Dann wäre da ja noch der Glasschuh. Wie wurde dieser realisiert? Wer sich jetzt fragt, ob Lily James wirklich Glasschuhe trug, dem soll gesagt werden, dass diese nicht aus Glas sondern aus Swarovski-Kristallen gemacht wurden. Insgesamt wurden acht paar Kristall-Schuhe für den Film angefertigt, wovon Lily James nie eines trug. Sie hatte ganz normale Absatzschuhe an, die digital verschönert wurden. Wer kann schon auf Kristallschuhen gehen und darin vor dem Prinzen weglaufen? Wir sind doch nicht im Märchen.

 

Es gäbe noch viel mehr spannende Fakten zum neuesten Disney-Film zu erzählen. Doch je mehr verraten wird, desto weniger Magie hat der Film. In diesem Sinne: Geht ins Kino und lasst euch von Cinderella verzaubern.

 

  

Cinderella ist ein Film für kleine und grosse Prinzessinnen. Traumhaft schön und mit einer starken Message. Ganz im Stile eines guten Märchens. Auf jeden Fall ein Muss für alle Disneyfans.

 

 

  • Cinderella (USA, England 2015)
  • Regie: Kenneth Branagh
  • Darsteller: Cate Blanchett, Lily James, Richard Madden, Stellan Skarsgård, Helena Bonham Carter
  • Laufzeit: 113 Minuten
  • Kinostart: 12. März 2015

 

  

 

 

catarina martins / Mi, 11. Mär 2015